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Juni 2020

Vom Recall ins Regal

Dieses mal werde ich Dir verraten, wie die Brillenfassungen ihren Weg in die Regale der Brillengeschäfte finden und dort auf Dich zu warten, damit Du eine von Ihnen als Deine neue Begleiterin auswählst. Denn Du siehst beim Besuch eines Brillengeschäfts nur das Endergebnis einer Tätigkeit, die tatsächlich einige Risiken für den Optiker parat hält und sogar ein paar Mythen besitzt, die sich wirklich sehr hartnäckig halten.

Lieber Hören statt lesen?

  • Die 3 Möglichkeiten des Brilleneinkaufs
  • Wie läuft ein Vertreterbesuch im Geschäft ab?
  • Der „Alle Brillen liegen auf Kommission im Regal“ Mythos
  • Brillendrehen bei der Brillenauswahl?
  • Risiko bei Exoten und Eyecatchern
  • „Es gibt keine passende Brille für mich!“….. Kann das sein?

Wie bzw. wo bestellt der Optiker eigentlich die neuen Brillengestelle?“

Vertreterbesuch

Die Anzahl der Möglichkeiten ist recht überschaubar, denn es gibt drei.

Als erstes hätten wir da den klassischen Besuch vom Außendienstmitarbeiter bzw. Vertreter. Das heißt Du vereinbarst mit dem Vertreter der jeweiligen Brillenmarke einen Termin und er kommt mit der gewünschten Brillenkollektion direkt ins Geschäft.

Auf diese Variante kommen wir gleich noch mal zurück und gehen etwas genauer darauf ein. Doch vorher schauen wir uns noch die anderen beiden Optionen an.

Messebesuch

Da wäre als zweites der Messebesuch.

Gern genommen Deutschlands größte Messe für Optik und Design, die OPTI. Oder mit etwas Heimvorteil für uns Hamburger, die hier stattfindende Hamburger Schiffsmesse. Klar der Vorteil eines Messebesuchs liegt bei der großen Anzahl der dort anwesenden Brillenmarken. Beim Schlendern über die Messe, kann man sich die eine oder andere Kollektionen zeigen lassen und die gewünschten Brillen direkt vor Ort bestellen. Nicht selten sorgt so ein Besuch dafür, dass Du ganz nebenbei auch etwas spannendes neues entdeckt, dass Du so vorher überhaupt nicht auf Deinem Zettel hattest .

Ich mag Messen sehr, sie bieten oft eine tolle Atmosphäre und einige Messestände sorgen allein durch ihre Gestaltung für einen echten WOW-Effekt.

Doch der Messebesuch hält auch ein paar nennen wir es mal Herausforderungen für den Optiker bereit. Wenn Du nämlich nicht in Deinem Laden sitzt und sehen kannst welche Brillen Du schon eingekauft hast, läufst Du schnell mal Gefahr etwas sehr ähnliches zu einzukaufen.

Dies mag den einen oder anderen Optiker nicht weiter stören, doch in unserem Geschäft legen wir unser Augenmerk auf die Vielfältigkeit und versuchen deshalb solche Dopplungen zu vermeiden. Darum hilft es im Moment der Brillenauswahl sehr, wenn Du den Blick durch das eigene Sortiment kreisen lassen kannst. So kannst Du noch mal sicher gehen, ob die Fassung die Du gerade in Deinen Händen hältst und die so spannend ist, wirklich eine tolle Ergänzung ist oder eher etwas schon vorhandenes doppelt.

Der Messe Worst Case

Eine kleine, wenn auch nicht zu unterschätzende Gefahr besteht darin das Du in einen kleinen Kaufrausch verfällst. Denn es ist natürlich auf einer Messe nicht unüblich ein spezielles Messeangebot zu erhalten und bei der nächsten Brillenmarke gibt es natürlich auch eines. Mitunter wandert der eigene Blick mal kurz auf den Nachbartisch und Du stellst fest:

„Mensch….. das Modell was dort gerade begutachtet wird, ist auch echt spannend…. das bestelle ich auch gleich noch mal mit.“

Tja….. und ehe Du Dich versiehst, hast Du viel mehr Brillen bestellt als Du eigentlich haben wolltest. Wenn es dann ganz doof läuft, besitzt Du auf einmal mehr Brillen, als Du in Deinem Geschäft überhaupt präsentieren kannst….. das wäre dann der Worst Case.

Um diesen beiden Punkten geschickt aus dem Wege zu gehen, haben wir uns vor Jahren dazu entschlossen nicht mehr direkt auf der Messe zu bestellen. Sondern bei Interesse an der Brillenkollektion den zuständigen Vertreter freundlich darum zu bitten, uns einmal einen schnellen Überblick auf der Messe zugeben, damit wir entscheiden können ob diese Kollektion spannend für uns ist und wir den Vertreter in unser Geschäft einladen. Womit wir dann wieder bei der ersten Variante wären, dem Besuch im eigenen Geschäft.

Nun könnte der eine oder andere sagen: „Mensch….. so entgeht einem doch das Messeangebot und somit die Chance etwas Geld zu sparen!“ Dem stimme ich voll und ganz zu! Doch dieser Nachteil fällt mitunter gar nicht zu groß aus wie es den Anschein hat, warum das so ist erkläre ich Dir etwas später.

Onlineshop

Als dritte Variante des Brillen- bzw. Fassungseinkaufs wäre da natürlich noch die Option, den Onlineshop der Brillenmarke zu nutzen. Dies birgt aber stets das Risiko in sich, dass die Brillen die Du erhälst nicht ganz so aussehen wie auf den Bildern im Onlineshop.

Denn die Brillengestelle sind natürlich super in Szene gesetzt, also meist mit weißem oder schwarzen Hintergrund und toll ausgeleuchtet….. was nicht selten zu Farbverfälschungen führt. Zu den erwähnten Farbverfälschungen führen aber auch die unterschiedlichen Einstellungen am eigenen Bildschirm bzw. Display. Auch transparentere Stellen an der Fassung wirken auf diesen Bildern meist anders. Daher nutzen wir diese Möglichkeit meistens für Modelle, die wir schon kennen und wo wir genau wissen was uns erwartet, also zum Beispiel beim Nachbestellen einer Fassung die wir schon hatten.

Der große Vorteil dieser Variante ist natürlich ihre spontane Machbarkeit, da man sie rund um die Uhr und an allen Wochentagen nutzen kann.

Wie so oft im Leben ist natürlich nicht eine der drei genannten Varianten die Beste und mein Favorit muss auch nicht die lieblings Option von jedem anderen Optiker sein. Das ist schließlich das schöne an verschiedenen Möglichkeiten, jeder kann sich die aussuchen, die am besten zu seiner Philosophie passt.

 

Wer darf in einem Geschäft die zu bestellenden Brillen auswählen?

Die Chefs oder die Mitarbeiter?

Kehren wir nun aber zu meinem Favoriten zurück, indem wir beide uns an einen der Beratungstische im Brillengeschäft setzen, an dem auch die Vertreterin bzw. der Vertreter schon Platz genommen hat um den Vororttermin mit uns wahr zu nehmen. Nach einen kurzen und entspannten Smalltalk wandert nun Tableau für Tableau aus dem Kollektionskoffer vor uns auf den Tisch. Meistens befinden sich auf solch einem Tableau ein, zwei oder auch drei unterschiedliche Brillenmodelle in verschiedenen Farben.

So weit so unspektakulär….. nun stellt sich jedoch die Frage, wer sucht eigentlich die Fassungen bei einem solchen Termin aus?

Auch hier gibt es völlig verschiedene Philosophien.

Bei manchen ist das sozusagen die Hoheitsaufgabe der Chefin oder des Chefs, bzw. der Filialleitung, die dann tatsächlich in Eigenregie dafür sorgen, dass der Nachschub an neuen Brillenfassungen nie aufhört. Andere wiederum delegieren diese Aufgabe gerne ihre Mitarbeiter, entweder an eine feste Person oder an das ganze Team.

Warum nicht beides kombinieren?

Bei uns Brillenfreunden haben wir uns dazu entschlossen beide Möglichkeiten zu verbinden, dass heißt bei uns sucht wenn möglich wirklich das ganze Team zusammen aus. In unseren Augen bietet uns das nämlich zwei Vorteile.

Zum einen stellt sich so schnell heraus bei welcher Fassung wir alle einer Meinung sind, dass diese toll ist und unbedingt eingekauft werden sollte. Dadurch bekommen wir ein sehr eindeutiges Gefühl dafür, ob es sich dabei um eine Fassung handelt die viele verschiedene Charaktere und Typen gleichermaßen positiv anspricht. Da stehen die Chancen später auch sehr gut, dass es bei vielen Kunden ebenso der Fall sein wird. Der andere Punkt ist, dass es für eine größere Vielfältigkeit des eigenen Sortiments sorgt. Schließlich kaufen hier verschiedene Charaktere mit verschiedenen Geschmäckern ein und dies sorgt dafür dass die getroffene Auswahl relativ breit und vielfältig ist. Zugegeben natürlich wird nicht jede persönliche Wunschbrille eingekauft. Besonders bei extremen Formen und Farben sollte man den Einkauf einer solchen Fassung im Team beratschlagen, denn schließlich sollten alle diese Brille später gerne dem Kunden anbieten wollen.

 

Zwei Mythen die sich sehr hartnäckig halten

Der „Kommisisionsware“ Mythos

Der Einkauf von Brillen bringt uns auch gleich zum ersten und größten Mythos der sich um die Brillen im Regal rankt. Viele Menschen sind nämlich der Meinung, dass alle Brillen die sich im Brillengeschäft befinden, auf Kommission dort sind. Ich kann leider nicht sagen wo dieser Mythos herrührt bzw. wie dieser entstanden ist? Es würde sicherlich auch viele Optiker sehr glücklich machen, wenn das wirklich so wäre….. doch dem ist leider nicht so. Die Wahrheit ist, dass die Brillenfassungen, sowie die fertigen Sonnen- und Sportbrillen im Geschäft tatsächlich im Vorwege gekauft, also vom Optiker bezahlt wurden.

Was das finanziell bedeutet zeigt das Beispiel, dass etwa die Hälfte unseres damaligen Gründungsbugets für den Kauf der Erstausstattung an Brillen aufgebraucht wurde.

Kommissionsware kommt meistens nur bei besonderen und einmalige Events vor. Zum Beispiel wenn auf einer Veranstaltung von einem Optiker ein Verkaufsstand für eine bestimmte Brillenmarke betrieben wird, dann erhält man Kommissionsware. Soetwas ist aber tatsächlich eher ein Sonderfall der nicht wirklich oft vorkommt.

Der „Brillen Rückgabe“ Mythos

Und so führt uns unser Weg auch gleich zum zweiten Mythos, nämlich die Annahme: „Das der Optiker nicht verkaufte und alte Brillen aus seinem Geschäft einfach an die Brillenmarke zurückgeben kann!“

Dieser Mythos ist nicht ganz falsch aber auch nicht wirklich wahr und richtig.

Denn man kann bei einem Vertreterbesuch tatsächlich ein paar Brillen zurückgeben, jedoch meistens nur im Rahmen einer Tauschquote. Eine solche Quote lautet nicht selten 10 zu 1, dass bedeutet… für 10 neu eingekauft Brillen, darf eine im Geschäft vorhandene Brille von dieser Brillenmarke zur Gutschrift zurückgeben werden. Das das ist nicht wirklich viel. Dies erklärt nun auch, dass die Bestellung von außergewöhnlichen Brillen bzw. Exoten gut überlegt sein sollte. Schließlich muss die getätigte Auswahl die eigene Kundschaft ansprechen und zu jeder Brille sollte sich am besten der passende Kunde finden lassen. Ansonsten läuft man nämlich irgendwann Gefahr, viel schwer verkäufliche und alte Ware im Geschäft liegen zu haben.

So ist auch jede Aufnahme einer neuen Kollektion im Geschäft für einen Optiker ein Wagnis, schließlich weiß er noch nicht ob seine Kundschaft diese neue Kollektion bzw. Marke interessant findet. Auch das einkaufen so genannter Eyecatcher, also sehr auffälliger Brillen die die Blicke und so das Interesse des Kunden auf diese Brillenmarke ziehen sollen, ist daher ein gewisses Risiko und sollte immer gut überlegt sein.

 

Unser gemeinsamer Vertreterbesuch

Kommen wir aber nun zu unserem Vorrottermin zurück, wie läuft dieser nun weiter ab?

Die Tableaus liegen nun vor uns auf dem Tisch und wir lassen unsere Augen über diese wandern. Mitunter muss man aufpassen nicht den Überblick zu verlieren, denn Schlag auf Schlag kommt ein neues Tableau hinzu. Spricht uns ein Modell in seiner Form und Farbe an, nehmen wir es aus dem Tableau um die Habtik des Materials zu spüren und dessen Qualität prüfen. Wenn die Fassung unseren kleinen Checkup bestanden hat, setzen wir sie natürlich auf und begutachten diese jeweils am Probeträger und bilden uns unsere eine Meinung wie der Gesamteindruck dieser Fassung ist. Legen wir sie dann umgedreht in das Tableau zurück, so hat sie den erste Hürde auf dem Weg in unsere Regale genommen und ist sozusagen im Recall angekommen.

So begutachten wir Tableau für Tableau bis wir alle durchgeschaut haben, meistens werden einem die Neuheiten als erstes präsentiert und so schreitet dann dieser Termin voran, der schnell mal ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen kann. Sind wir dann mit allen Tableaus einmal durch, konzentrieren wir uns noch einmal auf die Modelle die es in den Recall geschafft haben. Wir schauen uns diese noch einmal an und entscheiden dann Final, ob diese bestellt werden oder wir sie einfach wieder zurückdrehen.

Schnell summiert sich das etwas zusammen

Wenn man wie bei uns im Geschäft, 14 voneinander unabhängige Kollektionen besitzt, bedeutet dies auch 14 verschiedene Außendienstmitarbeiter und somit gleich mal 14 dieser Termine. So erklärt es sich auch, dass einige Optiker gerne auf Messen einkaufen, da sie dort an einen Tag viele dieser Termine in einem Rutsch abarbeiten können und sich diese anstrengende Shoppingtour mit den erwähnten Messeangeboten versüßen.

Die Anzahl an Vororttermin steigt noch einmal deutlich an, wenn nicht nur einmal im Jahr ein solcher Verteterbesuch in Anspruch genommen wird, sondern dies in einem Halbjahres oder sogar 4 Monats Rhythmus stattfindet, so wie es bei uns im Geschäft gelebt wird. Da kommt schnell eine stattliche Anzahl an Terminen zusammen.

Warum wir uns diesen Aufwand antun? ….. ganz einfach, es gibt nicht nur einmal im Jahr Neuheiten in einer Brillenkollektion und durch die kürzeren Abstände gewährleisten wir, dass wir über das ganze Jahr die aktuellsten Modelle präsentieren können. Das ist zum einen sehr spannend und toll für die Kunden, schließlich wartet immer wieder etwas Neues in unseren Regalen. Zum anderen sorgt dies auch für Freude bei jedem Mitarbeiter im Geschäft. Denn wie aufregend wäre für Dich eine Fassung im Dezember, die Du seit Februar schon etliche Male Präsentiert hast? Darum kaufen wir von der jeweiligen Brillenkollektion über das Jahr verteilt, zwar kleinere Mengen jedoch in kürzeren Zeitabständen ein, so bleibt es für alle spannend und faszinierend.

 

Die Aussage mit dem Mythos-Touch

 

Und nun nehmen wir uns denletzten Mythos dieser Episode vor, welcher vielmehr eine Aussage ist…. die wie folgt lautet: „Es gibt einfach keine Brille die zu mir passt!“

Kann es wirklich sein dass es nicht eine Brille gibt, die zu dem Gesicht dieser Person passt, die diese Aussage getätigt hat? Diese Worte habe ich natürlich schon einige Male gehört. Früher als die Auswahl an verschiedenen Modellen, mit den heutigen vielfältigen Formen und Farben noch nicht gegeben war, da hätte ich diese Aussage sicherlich auch das eine oder andere mal bestätigt.

Um diesen Mythos einmal genauer zu beleuchten schauen wir uns zum Vergleich einmal das Thema Kleidung an….. hast Du da schon mal bei jemanden die Aussage gehört: „Hey…. Kleidung steht mir einfach nicht, da gibt es nichts passendes für mich!“ und als logische Konsequenz bestreitet diese Person ihren Alltag seitdem nackt! Ganz sicher nicht! Denn auch da kommt es darauf an, dass man das passende für sich findet. Das super aussehende Outfit einer Freundin oder eines Freundes, muss an Dir nicht automatisch auch super aussehen. Doch die große Auswahl an Kleidung bietet uns allen die Möglichkeit das passende Outfit zu finden, mit dem wir uns richtig wohlfühlen.

Genauso so ist es bei der Brille, die heutzutage auch ein modisches Accessoires ist und gerade deshalb den Weg aus der unschicken Einheitsbrei Ecke getätigt hat.

Es kommt einfach auf eine gute Beratung an und das man der Brille offen gegenübersteht.

Für Erstträger ist es natürlich auch sehr wichtig, sich ersteinmal an eine Brille im eigenen Gesicht zu gewöhnen, aber geht uns das nicht bei vielen neuen Dingen so? Schließlich haben wir Menschen einfach einen Hang zum gewohnten und da bietet auch der eigene Anblick keine Ausnahme.

Der Autor:

Björn ist Gründungspartner des Optik-Geschäfts Die Brillenfreunde in Hamburg. Seit 2015 ist der gelernte Fluggerätmachaniker und Industriemeister Luftfahrttechnik, auch ein geprüfter Augenoptikassistent. Als kreativer Kopf des Teams kümmert er sich federführend um die Social Media Footsteps der Brillenfreunde und ist maßgeblich für ihren einzigartigen Look verantwortlich.

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